St. Pauli vernetzt sich

Planungswürfel und Planungsgarten, Esso-Häuser und Centro Sociale, Karo-Genossenschaft und Niebuhrhaus vernetzten sich als umkämpfte Orte und Kontrapunkte gegen die Gentrifizierung in St. Pauli in einer Kunstaktion mit Flatternband. Es wurde geflattert für eine „Halle für Alle“, den „Planungsgarten auf dem Areal“ und „gegen eine Stadtentwicklung als Investorenpolitik“.

Mehr zu sehen gibt es auch auf den Blogs von Keimzelle und Unser Areal.

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Einschätzungen und Presse nach dem 24.09

Am Abend des 24.09. bei der Informationsveranstaltung im Wirtschaftsgymnasium wurden Edeka, der Stadt Hamburg und den Projektentwicklern deutlich signalisiert, dass sehr viele Menschen die derzeitigen Pläne für die Alte Rindermarkthalle für verfehlt halten: zu überdimensioniert sind die Supermärkte, noch mehr Gastronomie braucht das Viertel nicht und die Brosamen an vermeintlicher Bürgerbeteiligung sind vor dem Hintergrund des zweieinhalbjährigen Engagements vieler Anwohner_innen fast eine Unverschämtheit. Die Veranstaltung war sehr diszipliniert, obwohl sehr viel Ärger in der Luft lag. Die langen Erklärungen der Podiumsteilnehmer wurden abgewartet, bis schließlich die Anwohner_innen zu Wort kamen – dann aber wurde die Kritik deutlich.

So fragt denn auch HH1 in einem prägnanten Beitrag vom 25.09. zur „Zukunft der Alten Rindermarkthalle„, ob es mit der Planung nicht doch um eine grundsätzliche Richtungsentscheidung ginge, die Zeitung Die Welt schreibt von „einem umkämpften Stück St. Pauli“ und am 4.10. titelt die taz „Wenig Raum, viel Bedarf„.

 

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Veranstaltung zum Shopping Center am 24.09.2012

Am Montag, dem 24.09.2012 findet in dieser an Events so reichen Stadt ein schon lange und schon oft angekündigtes Ereignis statt, nämlich die Informationsveranstaltung zur unterdessen längst beschlossenen Zukunft der Alten Rindermarkthalle.
Diese Veranstaltung wird ein beeindruckendes Zeugnis ablegen für das hiesige Verständnis von Demokratie: die Halle und das umliegende Gelände wird nicht etwa von den Bewohner_innen der angrenzenden Viertel geplant, die daran ebenso ein lebhaftes Interesse gezeigt haben wie verschiedene Initiativen, deren Beteiligung schon vor Jahren in einem Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft angemahnt wurde. Nein, das Management für die Entwicklung des Areals, das sich im städtischen Besitz befindet und daher wie kaum ein anderes Gelände in Hamburg prädestiniert ist für eine nicht ausschließlich an Vermarktung orientierter Stadtplanung, wurde komplett an EDEKA abgetreten.
Dieser durchaus respektable Einzelhandelskonzern liebt bekanntlich Lebensmittel – nicht aber unbedingt Demokratie.
Kompetenzen, die man selbst nicht hat, kauft man heutzutage ein.
In diesem Fall wurde eine – praktischer Weise der regierenden Partei nahestehende – Firma beauftragt, die sich laut Selbstdarstellung auf die „Optimierung und Vermietung von Handelsflächen, insbesondere im Bereich von Shopping-Centern“ versteht.
Und genau das soll St. Pauli in der Alten Rindermarkthalle bekommen: ein „Riesen-Einkaufs-Center.“

Ist es das, was die Menschen wollen, die sich erfolgreich gegen eine Musikhalle an gleicher Stelle gewehrt haben?
Ein Konsumtempel, der auch nur über hauptsächlich per Auto anreisende Massen funktionieren kann?
Wir haben guten Grund zu glauben: nein!
Ein Shopping Center wird ähnliche Belastungen mit sich bringen, wie sie für die Musikhalle befürchtet wurden (und das auch noch ohne Musik!). Der Verkehr im Bereich Feldstraße/Neuer Kamp/Budapester Straße (ohnehin schon so belastet, dass Wohnungsbau dort nicht möglich ist) wird zunehmen.

Als Beruhigungspille wird angeboten, 600-800 Quadratmeter im Obergeschoss durch ein Jury „stadtteilnah“ zu vergeben – das sind lächerliche 4 bis 5 Prozent der Gesamtfläche.

Die Rhetorik des Akzeptanzmanagements wird uns weismachen wollen, damit sei der Demokratie Genüge getan.
Die Supermärkte, so heißt es schon länger, seien die Nahversorgung, die – tatsächlich – alle wollen.
Das ist Quatsch.
Ein Shopping Center ist ein Konzept aus der Vergangenheit.
St. Pauli hat besseres verdient – und St. Pauli kann das besser.
Die Ideen für eine „Halle für alle“, einen Ort, zu dem Menschen nicht nur ihren Geldbeutel tragen dürfen, sind zahlreich – und die Kompetenzen in den Stadtteilen, diese realistisch umzusetzen, reichlich vorhanden.
Eine Stadt- bzw. Bezirksregierung, die Bürger_innenbeteiligung für ein derartiges Gelände im Besitz der öffentlichen Hand an eine Handelsimmobilien GmbH abtritt, leistet einen politischen Offenbarungseid und hat als demokratisches Organ versagt.

Nahversorgung für das Karoviertel, St. Pauli und Schanzenviertel unbedingt – aber der EDEKA-Plan ist noch nicht mal eine Gesprächsgrundlage.
Eine Jury, die Brosamen verteilen darf, braucht kein Mensch. Orte, an denen Leute zusammenkommen können, um jenseits von Konsumzwängen ein Recht auf Stadt zu verwirklichen um so mehr.

In Hamburg haben die Menschen inzwischen gelernt, ihren Standpunkt und ihre berechtigten Interessen zu vertreten – unabhängig von den und gegebenenfalls gegen die Vorgaben von Regierungen und Investoren. Selbstbewusst wird gestritten im Gängeviertel und in Langenhorn, in den Esso-Häusern für deren Erhalt, in Wilhelmsburg in der Auseinandersetzung mit IBA und IGS, in Altona im Kampf um die „Neue Mitte“, von Fußballbegeisterten gegen Polizeiwachen an falscher Stelle und Stadtgärtner_innen für den Gemüseanbau überall.

Wer immer noch glaubt, das liefe an der Alten Rindermarkthalle anders, hat sich geschnitten.

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Karoviertel-Konferenz am Sonntag im Centro

Im Themenblock zu Teilhabe und Viertelplanung geht es auf der großen Karoviertel-Konferenz am kommenden Sonntag (16.9.12) im Centro aus guten Gründen auch um die Alte Rindermarkthalle. Denn die Entwicklung der Alten Rindermarkthalle steht exemplarisch für verfehlte Planungspolitik, Bürgertäuschung und den Ausverkauf der Idee von Teilhabe.

(PROGRAMMAUSSCHNITT DER KONFERENZ: 15:00 Uhr „Seit über zwei Jahren fordert die Initiative Unser! Areal eine ernsthafte Bürgerbeteiligung. Wie kann dieser Forderung Nachdruck verliehen werden? Bericht über die aktuelle Situation von Unser! Areal: Niels Boieng (Wunschproduktion), Anke Haarmann, Harald Lemke (Keimzelle/ Grünareal). Mit welchen Aktionen zeigen wir uns auf der öffentlichen Informationsveranstaltung zur Alten Rindermarkthalle am 24.9.12“)

Das ganze Programm gibt es hier als pdf und vor allem:

KOMMT VORBEI – DISKUTIERT UND PLANT MIT – ORGANISIERT EUCH

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Grüne Tanzschritte

Nach dem Motto – zwei seitwärts und einen nach vorne – tänzeln die Grünen um das Areal der Alten Rindermarkthalle: In der jüngsten Pressemitteilung der Grünen aus HH-Mitte anlässlich der für den 24. September geplanten Infoveranstaltung zu Alten Rindermarkthalle, werden Edeka, Budni und Aldi zunächst als zukünftige Nutzer begrüßt, zugleich die mangelnde Bürgerbeteiligung beklagt und zuletzt Proteste gegen die derzeitigen Pläne für nachvollziehbar gefunden.

Im O-Ton: „Die Menschen aus dem Quartier einzubinden, wenn schon alles geplant ist, gleicht einer Farce und die Proteste gegen das Vorgehen der Stadt sind gut verständlich.“ Da haben sie recht.

http://www.gruenemitte.com/2012/08/23/zwischennutzung-der-rindermarkthalle/

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