Eine Anwohnerin schreibt über das Platzkonzert auf unserem Areal und wir dürfen es für alle, die nicht dabei sein konnten und für Dabeigewesene als Erinnerung veröffentlichen:
„Liebes Tagebuch,
wow, war das ein bewegtes Wochenende! Wir sind mit unserem Platzkonzert für eine selbstbestimmte Anwohner_innenplanung des ExReal Geländes andauernd am Laufen gewesen. Platzwechsel halt. Ich hab hinterher gleich mal in meine alten Schmöker geschaut. Da steht, dass Politik und Praxis immer miteinander verbunden sind. So gesehen kam da also eine echte Platzkonzert-Bewegung bei raus. Cool. Und ganz ohne Musikhallenwunsch.
Apropos, Platzkonzert: Geplatzt war vorher auch was. Ich hab aber nicht verstanden, was. Da kam so ein Schreiben von einer (heißt das so?) privatisierten Behörde, so einer ExBehörde jedenfalls. Sprinkenhof AG und Finanzbehörde Immobilienmanagement schrieben, sie könnten ein Platzkonzert auf dem verödeten exRealgeländes nicht genehmigen – und sowieso sei das öde Gelände ja mit Parkplätzen an die Fa. Pütz Security vermietet. War das eine Konfusion! War das Konzert nun verboten, nicht-genehmigt oder war diese ExBehörde einfach nicht zuständig, weil ja der Pütz mit seinem Autopark dort platz? Da haben sogar unsere bürgernahen Begleiter_innen am Festtag dann raten müssen. Und die rieten uns ganz freundlich, statt auf der Altonaer Grasfläche am Pförtnerhäuschen gegenüber dem ExRealgelände bitteschön auf dem Fleck vor dem ExReal zu konzerten: „Hier bräuchten Sie eine Sondernutzungsgenehmigung; dort sind Sie zumindest geduldet.“ Na klar! Machten wir ja gern und zogen um. Warum öffentlichen Raum bespielen, wenn wir auf dem magischen FreiEck vor dem ExReal – dem von öffentlicher Fläche zum privaten Wirtschaftsgrund umgewidmeten Boden – realitätsmächtig werden können?
Mitten im konzertanten Umzug tauchten allerdings die Kolleg_innen der Bürgernahen auf, leicht verspannt – vielleicht wegen der Wochenendarbeit im Polizeischutz für umherschweifende Polithorden. Jedenfalls nörgelten die erstmal rum, bevor sie dann etwas gelassener auch auf die mittlerweile geänderte Festseite wechselten. Unschön! Der Anlass? Richtig nichtig. Also, liebes Tagebuch, da war ich schon enttäuscht! Die hätten sich ein bisschen zusammenreißen können. Ich find „ich bin jung und brauch das Geld“ kann nicht immer die Ausrede sein.
Na, egal, danach wurde es aber wieder schön: Leute kamen, große, kleine, mittlere, schwarze, bunte, Anwohnende. Die Wanderausstellung zur Geschichte der Unser!Areal Gruppe wurde beguckt, auch die Wünsche zum Gelände, die aufs Pflaster des magischen FreiEcks gepinnt wurden. Und auch mit Kuchenmümmeln, Basteln von Freikarten für Freifläche oder Grünzeugsetzlinge setzen gab es gut Programm. Und Musike! Musike gab’s, natürlich! Mit Ben solo con Cello, zum Genießen und (für die Alten) zum Mitsingen. Herrje! Und so ergreifend, dass sich die kurze Generation aus dem Karoviertel am Ende auch noch spontan mit einem A Capella Gesangwettbewerb anschloss. Beat Box Battle nennt sich dass jetzt, glaub ich.
Aber das war später. Vorher beschlossen wir aufgrund des vorübergehend schaurigen Wetters noch ein Mal Bewegung für den Tag. Wir zogen mit Sack und Pack, Wanderzelt und Wandercello an einen neuen Festort, diesmal am Centro Sociale. Die Sonne dankte es dort. Allerdings verloren wir durch Umzug mit den Nicht-Bürgernahen Beamten einen Teil unserer Festbesucher_innen. Dafür kam – bewegungsfreudiger – neue Laufkundschaft. Zusätzliche Highlights des Tages eröffneten die dritte Festspielphase: Das konzertante Duo Blaubach spielte ergreifend in der Karodiele, der besagte A Cappela Wettbewerb lockte Zuhörer_innen an und schlussendlich sorgte der Tanzkurs mit finnischem Tango für einen, dem Festbunt angemessenen Abschluss.
Ach, war das ein gelungenes Fest! Auch die Bürgernahen waren dem Vernehmen nach zufrieden. Dieses magische FreiEck bewegt wirklich viel und viele…
Da fällt mir ein: Ich muss unbedingt dran denken, allen zu danken, die mitgemacht haben!!!!
Aber jetzt erstmal tschüß, Tagebuch.„


