Am vergangenen Montag wurden in der Pestalozzischule die Entwürfe von sechs Architekturbüros für die Neugestaltung des „alten Rindermarkts“ (Ex-Real-Markt) am Neuen Kamp auf St. Pauli vorgestellt. Und siehe da: In keinem Entwurf fehlt die umstrittene St. Pauli Music Hall, die von vielen Anwohner_innen im Viertel rundweg abgelehnt wird. Wie kann das sein?
Wir erinnern uns: Die erste „Anhörung“ der Anwohner_innen war am 13. April von Bezirksamtsleiter Schreiber abgebrochen worden, weil die sich erdreistet hatten, der Regie der Veranstaltung nicht zu folgen und eine eigene Wunschproduktion für das Gelände zu starten. Schreiber sagte zwar, die Anwohnerbeteiligung sei zum ersten Mal völlig ergebnisoffen angelegt, aber in der Auslobung für den Planungswettbewerb waren da längst sehr konkrete Vorgaben gemacht worden – die das Hamburger Abendblatt übrigens schon am 8. März zitiert hatte.
Das hinderte das Abendblatt nicht daran, den Protest der Anwohner_innen als militant zu verunglimpfen, ohne freilich mit irgendeiner Person aus den angrenzenden Vierteln gesprochen zu haben. Bezirk und Planungsbüro wiederum nahmen diese Interpretation der Ereignisse zum Anlass, die folgenden „Workshops“ als closed shops zu veranstalten: Reingelassen wurde nur, wer sich namentlich angemeldet hatte. Daran hat nicht jedeR Interesse.
Diese Linie setzte sich auch am Montagabend fort, als die Polizei unangemeldeten Besucher_innen die Begutachtung der Entwürfe verweigerte. Platzmangel kann es nicht gewesen sein: Die Aula, in der die Entwürfe gezeigt wurden, war alles andere als gefüllt. Auch interessant: Die Veranstalter der öffentlichen Auslegung tauchten zunächst nicht auf.
Die sechs Büros gaben jeweils zwei Entwürfe ab: einmal für eine komplette Neubebauung und einmal für den Fall, dass die „als Denkmal erkannte“ ehemalige Rindermarkthalle erhalten bleibt. Alle Entwürfe beinhalten eine „Music Hall“. Das müsste eigentlich bedeuten, dass die Anwohner_innen, die nach der Verunglimpfung noch Lust hatten, an den „Workshops“ teilzunehmen (der Autor gehört nicht dazu), diese gefordert haben. Den Protokollen ist dieser Wunsch aber nicht zu entnehmen.
Das bestätigt die Befürchtungen in den angrenzenden Quartieren: Die „Music Hall“ war von Anfang an gesetzt.
Da die Entwürfe aus Gründen des Urheberrechtsschutzes nicht fotografiert werden durften, die Öffentlichkeit sich aber ein Bild ohne Anmeldungsprozeduren davon machen können sollte, gibt es unten rekonstruierte Skizzen. Sie geben ungefähr die Proportionen der geplanten Baukörper auf dem Gelände wieder. Die Jury tagt kommende Woche.








