Veranstaltung zum Shopping Center am 24.09.2012

Am Montag, dem 24.09.2012 findet in dieser an Events so reichen Stadt ein schon lange und schon oft angekündigtes Ereignis statt, nämlich die Informationsveranstaltung zur unterdessen längst beschlossenen Zukunft der Alten Rindermarkthalle.
Diese Veranstaltung wird ein beeindruckendes Zeugnis ablegen für das hiesige Verständnis von Demokratie: die Halle und das umliegende Gelände wird nicht etwa von den Bewohner_innen der angrenzenden Viertel geplant, die daran ebenso ein lebhaftes Interesse gezeigt haben wie verschiedene Initiativen, deren Beteiligung schon vor Jahren in einem Beschluss der Hamburgischen Bürgerschaft angemahnt wurde. Nein, das Management für die Entwicklung des Areals, das sich im städtischen Besitz befindet und daher wie kaum ein anderes Gelände in Hamburg prädestiniert ist für eine nicht ausschließlich an Vermarktung orientierter Stadtplanung, wurde komplett an EDEKA abgetreten.
Dieser durchaus respektable Einzelhandelskonzern liebt bekanntlich Lebensmittel – nicht aber unbedingt Demokratie.
Kompetenzen, die man selbst nicht hat, kauft man heutzutage ein.
In diesem Fall wurde eine – praktischer Weise der regierenden Partei nahestehende – Firma beauftragt, die sich laut Selbstdarstellung auf die „Optimierung und Vermietung von Handelsflächen, insbesondere im Bereich von Shopping-Centern“ versteht.
Und genau das soll St. Pauli in der Alten Rindermarkthalle bekommen: ein „Riesen-Einkaufs-Center.“

Ist es das, was die Menschen wollen, die sich erfolgreich gegen eine Musikhalle an gleicher Stelle gewehrt haben?
Ein Konsumtempel, der auch nur über hauptsächlich per Auto anreisende Massen funktionieren kann?
Wir haben guten Grund zu glauben: nein!
Ein Shopping Center wird ähnliche Belastungen mit sich bringen, wie sie für die Musikhalle befürchtet wurden (und das auch noch ohne Musik!). Der Verkehr im Bereich Feldstraße/Neuer Kamp/Budapester Straße (ohnehin schon so belastet, dass Wohnungsbau dort nicht möglich ist) wird zunehmen.

Als Beruhigungspille wird angeboten, 600-800 Quadratmeter im Obergeschoss durch ein Jury „stadtteilnah“ zu vergeben – das sind lächerliche 4 bis 5 Prozent der Gesamtfläche.

Die Rhetorik des Akzeptanzmanagements wird uns weismachen wollen, damit sei der Demokratie Genüge getan.
Die Supermärkte, so heißt es schon länger, seien die Nahversorgung, die – tatsächlich – alle wollen.
Das ist Quatsch.
Ein Shopping Center ist ein Konzept aus der Vergangenheit.
St. Pauli hat besseres verdient – und St. Pauli kann das besser.
Die Ideen für eine „Halle für alle“, einen Ort, zu dem Menschen nicht nur ihren Geldbeutel tragen dürfen, sind zahlreich – und die Kompetenzen in den Stadtteilen, diese realistisch umzusetzen, reichlich vorhanden.
Eine Stadt- bzw. Bezirksregierung, die Bürger_innenbeteiligung für ein derartiges Gelände im Besitz der öffentlichen Hand an eine Handelsimmobilien GmbH abtritt, leistet einen politischen Offenbarungseid und hat als demokratisches Organ versagt.

Nahversorgung für das Karoviertel, St. Pauli und Schanzenviertel unbedingt – aber der EDEKA-Plan ist noch nicht mal eine Gesprächsgrundlage.
Eine Jury, die Brosamen verteilen darf, braucht kein Mensch. Orte, an denen Leute zusammenkommen können, um jenseits von Konsumzwängen ein Recht auf Stadt zu verwirklichen um so mehr.

In Hamburg haben die Menschen inzwischen gelernt, ihren Standpunkt und ihre berechtigten Interessen zu vertreten – unabhängig von den und gegebenenfalls gegen die Vorgaben von Regierungen und Investoren. Selbstbewusst wird gestritten im Gängeviertel und in Langenhorn, in den Esso-Häusern für deren Erhalt, in Wilhelmsburg in der Auseinandersetzung mit IBA und IGS, in Altona im Kampf um die „Neue Mitte“, von Fußballbegeisterten gegen Polizeiwachen an falscher Stelle und Stadtgärtner_innen für den Gemüseanbau überall.

Wer immer noch glaubt, das liefe an der Alten Rindermarkthalle anders, hat sich geschnitten.

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